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Roter Beil (2497m)

Kreuzeckgruppe

Manche Wanderungen sind so wie die Tour Nummer 13, 78 oder 161. Nichts Besonderes, fast gleich, austauschbar und schon ein Jahr später weiß man nicht mehr viel darüber. Und es gibt Bergtouren, die lange in Erinnerung bleiben, unverkennbar sind und wo man als Wanderführer sagen kann, ich habe nach 30 Jahren noch etwas dazugelernt. Meine heutige NF-Bergtour war so eine. Aber alles der Reihe nach.

Aufstehen noch vor 4 Uhr, frühstücken, eine Wanderin im Heimatort mitnehmen und dabei im Kreis fahren, rechtzeitig vor 5 Uhr die Wartenden in St.Jakob abholen, zum Vassachersee huschen und die letzten Teilnehmer aufsammeln, 100 km auf der Autobahn und Bundestraße im Konvoi bis nach Irschen reisen, die staubige Forststraße den steilen Berghang über Weneberg hinaufkurven und schließlich durch ein unerwartetes Fahrverbotsschild gestoppt werden. Ein Reset von 100 auf 0. Damit hatte ich nicht gerechnet, denn vor 5 Jahren konnten wir noch bis zur Unteralm fahren. Die Folge: Wir mussten hin und zurück 1 Stunde mehr Gehzeit einplanen. Hätte ich als Verantwortlicher besser vorbereiten können und müssen, was schließlich eine Runde kostete.

Das Wetter war traumhaft schön, meist heiter und es gab den ganzen Tag über eine tolle gute Fernsicht, weil die Luft klar und trocken war. Der angekündigte Wind war auch nicht schlimm und kein Problem. Unserer Gruppe war abgesehen vom Wanderführer eine reine Damenrunde, wobei aber alle gut gingen und die Gruppe geschlossen blieb. Wo sind nur die Männer geblieben, die nicht mehr so früh aufstehen, lange anfahren und weit gehen wollen. Und was täte ich nur ohne die Frauen – ich müsste alleine wandern. Aber ich hatte eine tolle zweite Wanderführerin namens Mary, die hinten gemeinsam mit den WFinnen Patricia und Birgit alles im Griff hatten. Ein großes Danke – auf Euch kann man sich verlassen.

Zuerst ging es nur mäßig ansteigend nach Norden zur Hugo-Gerbers-Hütte, wo wir schon einen tollen Blick auf unseren Berg Roter Beil hatten. Die Hütte hatte erst sein ein paar Tagen geöffnet und man bereitete das Essen für die über Nacht bleibenden Gäste zu. Wir gingen aber zuerst hinauf auf unseren Gipfel und mussten einen steilen Hang bewältigen, der aber unschwierig war. Die Gipfelpause war verdient, wir konnten vom Großglockner im Norden über die Lienzer Dolomiten bis hin zum Monte Sernio im Süden blicken. Eine wunderbare Fernsicht. Wir machten heute in Summe über 3 Stunden Pause, was für eine Wanderung sehr viel ist, aber bei 9:40 Stunden auch wieder nicht. Sei es drum, es hat für uns gepasst.

Wieder bei der Hütte angekommen, bestellten wir Kaffee, Getränke, Kuchen und eine Brettljause. Wir mussten in der Tasse die paar Schluck Kaffee suchen und für 5 Euro war es leider eine Frechheit. Hätte Birgit nicht ungeniert um einen Nachschlag gefragt, wir wären unterwegs mangels muntermachenden schwarzen Heißgetränk eingeschlafen. Für den Rückweg entschied ich mich über den Dachskofel zu gehen. Hätte ich die Strecke im Vorfeld gekannt, wäre ich sie nicht gegangen. Es gab ein paar steile Passagen drinnen, wo absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit nötig war. Sie waren nicht schwer aber nicht jederfrau Sache. Manche tun sich leichter und manche eben schwerer. Und manchmal ist es besser nicht so viel zu reden, sondern andere einfach nur in Ruhe gehen lassen. Bringt manchmal viel.

Der Dachskofel war schnell erreicht, doch zuvor kamen wir noch an ein paar Bergseen vorbei. Eine schöne abgeschiedene Landschaft ist die Kreuzeckgruppe und wir trafen nur zwei Wanderinnen auf der ganzen Tour. Hoch über dem Dachskofel thront das mächtig aufragende Scharnik. Welches zum Greifen nah war, aber doch noch einen langen schwierigen Anstieg hatte. Also ging es an Adler, Dachs, Murmeltier und Spitzratte vorbei hinunter zur Unteralmhütte, wo es die versprochene Getränkerunde und eine Kaspressknödelsuppe gab. Der Rest war dann nur mehr Formsache, auch wenn ich erst um halb 8 Uhr abends zuhause ankam.

Unterwegs fielen heute ein paar moderne Begriffe aus der Digitalisierung, sozialen Medien und der Sprache der jungen Generationen. Also taggen (dt. markieren), likes (dt. gefällt mir) oder mention (kärntnerisch Mensch). Gute Ideen entstanden um up-to-date zu sein und noch während der Suppe war ich schon auf Instagram, Facebook und Co. Die Zeiten ändern sich und das muss auch ich akzeptieren. Eines Tages wird die KI meine Rolle einnehmen und dann braucht eine nette Damenrunde keinen männlichen Wanderführer mehr, denn den hat man dann auf einer App am Handy. Austauschbar, immer nett und voller Wanderintelligenz aus dem digitalen Netz. Dann stirbt auch der letzte Mann bei so einer rötlichen Beil Tour aus. Auf der Anfahrt wird man dann noch schlafen können, denn das Fahren übernehmen dann die autonomen KI Autos aus China mit amerikanischer Software. Da ist dann Staub oder ein Fahrverbot auch schon egal. Aus alten schindelbedeckten Hütten werden all inclusive self-checkin Tempel mit Espresso, Melange oder Americano. Und aus steilen Passagen im felsigen Gelände werden immer bereitstehende solarbetriebene Liftanlagen oder Flying Foxes. Und aus mir wird eine Erinnerung an ehrenamtliche ausgestorbene Spezies, die man bestenfalls noch auf alten uninteressanten Homepages findet. Und aus Wanderberichten wie diesem werden KI-generierte individuelle Meisterwerke written by einem Pod. Ob die sich dann lesen wie jener auf Tour Nummer 13, 78 oder 161, ist dann in der noch schnelllebigen Zukunft auch schon egal. Schau ma mal, wohin die Reise gehen wird. Berg frei.

(Bericht von Thomas)

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